Auf den Spuren der Demokratie
Hambacher Schloss
Auf den Spuren der Demokratie - Heimatverein besucht das Hambacher Schloss
Kaum dass Angelbachtal die Bezeichnung „Heckergemeinde“ tragen darf, wandelten jetzt rund 40 Neugierige auf Einladung des Heimatvereins auf den Spuren der Demokratie. Ziel war am 26. September das Hambacher Schloss in Neustadt a. d. W., wo vom 27. bis 30. Mai 1832 das Hambacher Fest stattgefunden hat. In der Zeit der Restauration und des Vormärz galt diese politische Volksversammlung als Höhepunkt bürgerlicher Opposition. Die damaligen Festteilnehmer forderten nationale Einheit, Freiheit und Volkssouveränität, wodurch sie Widerstand gegen die restaurativen Bemühungen des Deutschen Reiches leisteten. Die Weigerung von Visionären wie dem in Eichtersheim geborenen Freiheitskämpfer Friedrich Hecker (1811-1881), sich an diesem Prozess zu beteiligen, gipfelten schließlich unter anderem in der Badischen Revolution von 1848/49.
„Wir werden bestimmt eine wunderbare Sicht über die Pfalz haben und dabei den Geist der Demokratie atmen“, freute sich die Vorsitzende des Heimatvereins, Elisabeth Kern-Waechter, bereits bei der Abfahrt am Festplatz. Strahlender Sonnenschein begleitete die Reisegruppe bis ans Ziel.Dort stand die Erkundung des Hambacher Schloss auf dem Programm.
„Als dieses Gemäuer vor rund eintausend Jahren erstmals erwähnt wurde, hieß es die Kästenburg“, wusste Museumspädagogin Petra Henke. Der Ursprung dieser Bezeichnung geht auf umstehende Kastanienbäume zurück. Sie wies anfangs auf den heute fehlenden Bergfried sowie die ebenfalls nicht mehr existierende Unterburg hin. 1688 wurde das Gemäuer im Rahmen des Pfälzischen Erbfolgekrieges gesprengt und verfiel, bis 1823 16 reiche Bürger die Ruine für 625 Gulden vom bayerischen Staat übernahmen, teilweise sanierten und dort 1832 das berühmte Hambacher Fest feierten. „Treffpunkt war unten in Neustadt auf dem Marktplatz. Aber es kamen so viele Menschen, dass sie letztendlich hier hochgezogen sind“, sagte die Burgführerin. Es sei das erste Mal an diesem Ort gewesen, dass etwa 25.000 bis 30.000 Menschen verschiedener gesellschaftlicher Hintergründe zusammengekommen sind. Nicht wenige von ihnen mussten anschließend teilweise jahrelang in Haft, doch der Freiheitswille der Bevölkerung war ungebrochen. 1848 gipfelte er unter anderem in der Badischen Revolution, an der mit Friedrich Hecker maßgeblich beteiligt war. Heute ist das Hambacher Schloss eine Stiftung und beherbergt unter anderem ein Museum, in dem als eines der wertvollsten Exponate die einst von Johann Philipp Abresch (1804-1861) getragene Hauptfahne des Hambacher Festes ausgestellt wird.
In einem Weingut in Edesheim fand die Besichtigung bei einem Mittagessen und bestem Pfälzer Wein sowie anschließendem Spaziergang einen gemütlichen Ausklang. .
Autor: Alexander Becker